Projektwoche hautnah: Wir vom Reporterprojekt berichten aus dem Bangladesch-Kurs. Wenn man im Fernsehen oder im Internet irgendetwas über Bangladesch hört, geht es eigentlich immer nur um schlimme Naturkatastrophen, große Textilfabriken oder andere schlechte Nachrichten. Man bekommt schnell das Gefühl, dass es dort gar nichts anderes gibt. Aber wir vom Reporterprojekt wollten uns damit nicht zufriedengeben und wollten diese Woche mal ganz genau wissen, was wirklich hinter den Kulissen steckt. Deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht und das Projekt „Bangladesch mit allen Sinnen erleben“ besucht. Schon nach ein paar Minuten vor Ort haben wir schnell gemerkt: Das Land ist viel interessanter, bunter und spannender, als man im ersten Moment denkt! Als wir den Raum betreten haben, ist uns sofort aufgefallen, wie konzentriert und gleichzeitig locker die Stimmung war. Alle Schülerinnen und Schüler saßen an ihren Tischen und haben gemeinsam im Internet recherchiert. Die gesamte Erarbeitung lief über diese digitale Suche ab, weil alle sich eigenständig durch verschiedene Webseiten geklickt haben, um wichtige Informationen über das Land herauszufinden.
An der Tafel hingen auch schon einige Zettel und es standen ein paar ziemlich komplizierte Schriftzeichen daran, die für uns eher wie kleine, elegante Kunstwerke aussehen. Weil das so faszinierend aussah, mussten wir als Reporter natürlich direkt erst mal unsere Kamera herausholen und Fotos davon knipsen. Nachdem wir die Zeichen im Kasten hatten, haben wir die Gelegenheit genutzt und ein schönes Gruppenfoto von der gesamten Projektklasse gemacht, für das sich alle gemeinsam vor der Tafel aufgestellt haben. V. L. n. R.: Lennert Rogner, Lotte Rosemann, Hannah Salzer, Norge Giesecke, Alexander Fütterer und Friederike Hahn (Lehrkraft).
Die Projektleiterin Frau Hahn hat uns dann ausführlich erklärt, wie sie überhaupt auf diese besondere Themenidee gekommen ist. Sie lernt nämlich schon seit längerer Zeit privat in ihrer Freizeit die Sprache Bengali und hat sich dadurch automatisch immer mehr mit der Kultur und den Menschen dort beschäftigt. Obwohl sie durch dieses Hobby schon ziemlich viel Fachwissen im Kopf hatte, war sie selbst tatsächlich noch nie persönlich in Bangladesch. Für die Projektwoche musste sie deshalb zu Hause trotzdem extrem viel am Computer und im Internet vorbereiten, passende Seiten heraussuchen und den gesamten Ablauf für die Schüler genau strukturieren, damit alle gut vorankommen.
Während unseres Besuchs stand Frau Hahn aber nicht nur vorne, sondern hat der Gruppe immer wieder interessante Zusatzinfos und Sidefacts gesagt, wenn jemand eine Frage hatte. Besonders spannend wurde es, als sie ein echtes, traditionelles Kleidungsstück mitgebracht und im Raum ausgebreitet hat. Sie hat uns allen ganz genau erklärt, was es eigentlich mit dem Sari auf sich hat, wer dieses Gewand trägt, wie lang der Stoff ist und wie diese traditionsreiche Kleidung im normalen Alltag funktioniert. Weil das Tuch so farbenfroh war, durften wir auch davon direkt ein Foto machen. Passend zu diesem Thema hat sie uns mit einem Schmunzeln erzählt, dass ein Junge aus dem Kurs die verrückte Idee hatte, selbst mal einen Sari anzuziehen, um die Kleidungskultur hautnah vorzustellen. Auf so eine lustige Idee wäre sie als Lehrerin selbst gar nicht gekommen.
Wir haben Frau Hahn dann auch noch gefragt, ob es Dinge gibt, die in Bangladesch vielleicht sogar viel besser geregelt sind als bei uns in Deutschland. Ihre Antwort hat uns ziemlich überrascht. Sie meinte, dass das Land zwar nicht reich ist, aber extrem viel Geld direkt in die Bildung und in die Zukunft der Kinder investiert wird. Außerdem halten die Menschen dort unglaublich fest zusammen und sind extrem gastfreundlich zu Fremden. Sie hat uns ein Beispiel erzählt: Wenn man dort auf der Straße unterwegs ist und es plötzlich anfängt, wie aus Eimern zu regnen, bekommt man von wildfremden Leuten oft einfach so einen Regenschirm geschenkt, damit man nicht nass wird. Von dieser Hilfsbereitschaft und dem Zusammenhalt können wir uns hier definitiv eine ganz dicke Scheibe abschneiden.
In den Schulen drüben läuft das Leben allerdings ganz anders ab als an unserer Schule. Der Unterricht ist dort viel strenger und auch um einiges schwerer. Allein für die Sprache Bengali muss man über 450 verschiedene Schriftzeichen auswendig lernen und fehlerfrei schreiben können! Trotzdem haben die Kinder dort eine riesige Motivation und gehen gerne hin, weil Bildung für sie die absolut wichtigste und oft einzige Chance ist, um sich später aus armen Verhältnissen zu befreien.
Richtige Freizeit, wie wir sie kennen, gibt es für Jugendliche in Bangladesch oft gar nicht. Viele müssen schon im jungen Alter nach der Schule oder stattdessen arbeiten gehen, um ihre Familien finanziell zu unterstützen und Geld nach Hause zu bringen. Trotz dieser oft schwierigen Umstände sind Smartphones aber auch dort total beliebt und bei fast allen Jugendlichen verbreitet.
Am Ende unseres Besuchs wollten wir von den Reportern noch wissen, ob wir als ganz normale Personen aus Deutschland dort eigentlich eine Woche lang alleine klarkommen würden. Frau Hahn glaubt, dass das für uns ein riesiger Kulturschock wäre und wir uns extrem anpassen müssten. Es gibt dort in vielen Städten nämlich überhaupt keine Straßenschilder, an denen man sich orientieren könnte, und der gesamte Verkehr mit den vielen Autos ist ein einziges, für uns völlig chaotisches Durcheinander. Ohne die direkte und nette Hilfe von den Einheimischen vor Ort wäre man dort wahrscheinlich schon nach ein paar Minuten komplett verloren.Für uns vom Reporterprojekt war dieser Blick in den Kurs eine echte Überraschung und hat uns total viel Spaß gemacht.
Wir haben gelernt, dass man ein Land niemals nur nach den kurzen, negativen Berichten im Fernsehen beurteilen darf, sondern dass hinter den Vorurteilen eine total herzliche Welt steckt. Das Projekt zeigt perfekt, dass man auch ohne eine echte Flugreise, sondern einfach nur durch 3-Tage gemeinsame Internet-Recherche und eine gute Vorbereitung eine völlig neue Kultur entdecken kann.


