Latein

Wie gut, dass es das gibt!

Latein ist das klassische Sprach- und Bildungsfach des Gymnasiums. Heute stellt es sich als modernes Unterrichtsfach dar, das alle Möglichkeiten zeitgemäßer Didaktik und Methodik nutzt. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Zielsetzungen und Inhalte des Faches deutlich verändert und an heutige Bildungserfordernisse angepasst.

Wir am Gymnasium Großburgwedel arbeiten mit unseren Schülerinnen und Schülern systematisch an den folgenden Zielsetzungen. (Den zugrundeliegenden Text des Kerncurriculums zum Bildungsbeitrag des Faches Latein finden Sie hier.)

Unsere Schüler: Junge Europäer

In inhaltlicher Hinsicht hat Lateinunterricht die Aufgabe übernommen, zur Stiftung einer europäischen Identität beizutragen. Was ist das – dieses Europa? Unser Lateinunterricht eröffnet dem modernen jungen Menschen einen Zugang zur Antike, die er als die Basis unserer heutigen Vorstellungen, unserer Werte, unserer Lebensweise kennenlernt. Ab der ersten Unterrichtsstunde arbeiten wir daran nachzuvollziehen, wie aus den Ansätzen der Antike unsere heutigen Überzeugungen wachsen - zuerst kindgerecht, dann mit immer höherem Abstraktionsgrad.

Unsere jüngeren Schülerinnen und Schüler kommen mit der Antike durch Kunsttexte und Adaptionen in Kontakt: Flavia und Quintus, junge Römer, und ihre Familien erleben einiges an Abenteuern und Gefahren…

Unsere älteren Schülerinnen und Schüler lesen lateinische Originaltexte aus allen Epochen europäischer Geschichte - von den Klassikern bis zur neuzeitlichen lateinischen Literatur. Da ist alles dabei: der freche Ovid, der ernste Erasmus, der kritisch- phantasievolle Holberg…

Wir übersetzen unsere Texte nicht nur, wir denken über sie nach: Schritt für Schritt führen wir unsere Schülerinnen und Schüler in existentielle Fragestellungen

  • Fragen nach dem richtigen Handeln, dem Umgang miteinander,

  • Fragen nach dem Wesen des Menschen,

  • Fragen nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Gottheit,

  • Fragen nach der Schönheit, der Natur, der Möglichkeit, Wissen zu erwerben

  • Fragen zu Freiheit, Macht, Unterdrückung

  • und zu vielem anderen.

Im Lateinunterricht beleuchten wir den Hintergrund dieser Fragen und ihre Entwicklung, vollziehen nach, welche Lösungsmöglichkeiten diskutiert und erprobt wurden - und stellen schließlich fest, was Europa heute als Ergebnis dieser kulturellen Entwicklung ausmacht.

Unsere Schüler – Fit für den interkulturellen Dialog

Die junge Generation bewegt sich zunehmend auf internationalem außereuropäischem Parkett. Dort trifft sie auf Menschen, die sich ihrer Herkunft in ihrem eigenen Kulturraum deutlich bewusst sind. Als Voraussetzung dafür, einen fundierten, von Verständnis geprägten interkulturellen Dialog pflegen zu können, müssen auch junge Europäer gezielt mit ihren Traditionen vertraut gemacht werden und ein Bewusstsein entwickeln für die Errungenschaften Europas: für Wissenschaftlichkeit, Rechtsstaatlichkeit und Humanismus.

Lateinunterricht ist ein in diesem Sinne wertebildender und persönlichkeitsbildender Unterricht.

Unsere Schüler: Interdisziplinär ausgebildet

Ein Lateinunterricht, der die oben genannten Ziele verfolgt, geht auf vielfältige Themen ein. Daher ist er bunt, abwechslungsreich und heißt Einflüsse aus vielen Nachbardisziplinen willkommen: Archäologie, Architektur, Geschichte, Politik, Religionswissenschaften, auch Kunst und Musik fließen in die inhaltliche Erarbeitung ein.

Unsere Schüler: Sprachexperten

In sprachlicher Hinsicht verfolgt der Lateinunterricht den Anspruch, vermittelt durch genaue Arbeit am fremdsprachlichen Original ein vertieftes Verständnis für das Funktionieren von Sprache überhaupt und speziell der deutschen Sprache zu vermitteln.

Lateinunterricht ist kein Fremdsprachenunterricht im herkömmlichen Sinne: kein aktives Sprechen, kein Rechtschreibtraining, kein schriftliches Formulieren, kein Hörverständnis…

Wir übersetzen. Übersetzen heißt dabei keineswegs nur ungefähre Sinnerfassung. Vielmehr soll das Ergebnis ein deutscher Text sein, der ein Äquivalent zum lateinischen ist. Er soll das gleiche ausdrücken, die gleiche Reaktion hervorrufen, gleich witzig, gleich ironisch, gleich anschaulich…sein wie der lateinische.

Das geht nicht holterdiepolter. Damit das gelingt, werden im sog. „mikroskopischen Lesen“ Grammatik, Satzbau, Wortwahl, Stilistik ausgewertet. Dabei setzen sich auch schon sehr junge Schülerinnen und Schüler individuell mit Sprache auseinander und führen Diskussionen über Sprache. Nach und nach erwerben unsere Schüler einen Zuwachs an Text- und Lesekompetenz, die sich sowohl beim Verfassen eigener als auch beim Erfassen fremder Texte sehr positiv bemerkbar macht.

Unsere Schüler: Vielfältig kompetent

Sowohl inhaltlich als auch sprachlich baut der Lateinunterricht Kompetenzen auf, die in vielen anderen Fächern fruchtbar werden. Welt- und Orientierungswissen aus dem Lateinunterricht ist besonders in den sprachlichen und geisteswissenschaftlichen Unterrichtsfächern wie Deutsch, Geschichte, Politik … gefragt. Sprachliche Analyse- und Interpretationsmethoden lassen sich gewinnbringend auf Textarbeit anderer Fächer übertragen.

Darüber hinaus entwickeln Lateinschülerinnen und –schüler durch die spezielle Anlage des Lateinunterrichts besondere Soft Skills: Von Anfang an trainieren Lateinlernende, komplexe Aufgabenstellungen methodisch konsequent zu bewältigen. Die Anforderungen an das Abstraktionsvermögen und die Analysefähigkeit sind von Beginn an hoch. Das langsame und genaue Arbeiten trainiert Disziplin und Sorgfalt.


Wer kann Latein lernen?

Dazu sind erfahrungsgemäß alle Schülerinnen und –schüler in der Lage, die eine glatte Gymnasialempfehlung erhalten haben. Darüber hinaus gibt es den „geeigneten“ oder „ungeeigneten“ Schülertypus nicht. Unsere Lerngruppen sind bunt gemischt aus temperamentvollen und eher introvertierten Menschen, Jungen und Mädchen, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund usw.

Sehr hilfreich für den Lernerfolg ist ein gutes Gedächtnis. Sehr hinderlich sind Schwierigkeiten im Lese-Rechtschreibbereich, da es häufig um das sichere Erkennen und Dekodieren von Buchstabengruppen, sog. Morphemen, geht.

Wann kann man Latein lernen?

Latein kann man am Gymnasium Großburgwedel regulär ab der 6. Klasse als 2. Fremdsprache lernen.

Zudem hält das Gymnasium mit Latein ab Klasse 5, dem sog. „grundständigen Latein“ oder „Frühlatein“, ein Angebot für besonders begabte und lernwillige Kinder vor.

Das Fach Latein sieht sich nicht als Konkurrenz zu anderen fremdsprachlichen Angeboten, sondern als deren Fundament und Ergänzung. So können alle Lateinlernenden am Gymnasium Großburgwedel Spanisch ab Klasse 7 oder Klasse 10 als weitere moderne Fremdsprache erlernen.

Frühlatein – Ein Angebot zur Begabtenförderung

Seit mehr als 40 Jahren können Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Großburgwedel Latein ab der 5. Klasse lernen. Sie beginnen also ein Jahr früher als ihre Altersgenossen damit, neben dem Englischen eine weitere Fremdsprache zu erlernen. Die Schülerinnen und Schüler, die dieses besondere Angebot wahrnehmen wollen, werden in einer Klasse zusammengefasst. Diese Lerngruppe arbeitet inhaltlich wie sprachlich umfangreicher, schneller und intensiver. Die Schülerschaft dieser Klassen zeigt sich erfahrungsgemäß auch in anderen Fächern als leistungsstark.

Kann man Latein in der Oberstufe wählen?

Am Gymnasium Großburgwedel kann man Latein als Prüfungsfach auf erhöhtem und auf grundständigem Niveau wählen, seine Sprachenverpflichtungen abdecken oder Latein aus lauter Lust und Laune weiterführen.

Zu unserer großen Freude wählen jedes Jahr viele Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Großburgwedel Latein als Abiturprüfungsfach.

Außerschulische Lernorte, Exkursionen und Studienfahrten

Ein moderner Lateinunterricht bindet nicht nur viele Nachbardisziplinen mit ein, sondern er nutzt auch die Angebote außerschulischer Lernorte.

Neben Museums- und Ausstellungsbesuchen sieht das Fahrtenprogramm des Gymnasiums Großburgwedel für den 6. Jahrgang eine Fahrt in den Archäologischen Park Xanten vor. Dort ergibt sich die Gelegenheit, an einer Ausgrabungsstätte Kontakt mit der antiken Lebenswelt aufzunehmen; im Original und in Rekonstruktion werden dort Wohn- und Arbeitsbereiche, öffentliche Gebäude und die Anlagen einer antiken Stadt als das „uns nächste Fremde“ erfahrbar.

Lateinschülerinnen und -schülern der Oberstufe bietet das Gymnasium Großburgwedel eine Studienfahrt nach Rom oder Neapel an.

Latinum/Latein für Studium und Beruf

Die Sprache Latein kann in der vorgestellten Form, also wirksam und wertvoll in kultureller und sprachlicher Hinsicht, nur an einem Gymnasium erlernt werden. Daneben gibt es für Studentinnen und Studenten sog. Crashkurse, in denen lateinische Grammatik im Schnellverfahren gepaukt werden muss. Diese „Kurse“ müssen neben dem Studium absolviert werden, haben mit einer soliden Sprachausbildung wenig zu tun und stellen Studenten nicht selten vor schier unüberwindliche Hürden. Leider ist auch die Tendenz zu beobachten, dass Universitäten zwar Lateinkenntnisse als Studienbedingung fordern, doch eine Möglichkeit, sich diese Kenntnisse zu verschaffen, nicht geboten wird. Dann werden teure Kursgebühren fällig. Ein Erfahrungsbericht aus jüngster Zeit folgt bald hier.

Das Latinum, in Niedersachsen in den drei Stufen „Kleines Latinum“, „Latinum“ und „Großes Latinum“, wird bei ausreichenden Leistungen am Ende der 9., 10. und 12. Jahrgangsstufe vergeben. Die genauen Vorschriften finden sich hier.