Die deutsche Teilung ganz nah

Der 11. Jahrgang in Marienborn

Erstellt von Eda Tüzün und Enya Languth | |   Exkursionen & FahrtenSchuljahr 2018/19
Passkontrollstationen Marienborn

Passkontrollstationen Marienborn

Ehemalige Grenzanlage mit Panzersperre in Hötensleben

Ehemalige Grenzanlage mit Panzersperre in Hötensleben

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts hatten Schülerinnen und Schüler des elften Jahrgangs das Thema der Teilung Deutschlands erarbeitet. Um weitere, visuelle Einblicke zu bekommen, fand ein Besuch der Gedenkstätte „Deutsche Teilung Marienborn“ statt. Als Trennwand zwischen der damaligen DDR sowie der damaligen BRD steht Marienborn stellvertretend für das damals lückenlose Grenzsicherungssystem der DDR.

Die triste Umgebung der Grenzanlage vermittelte das bedrückende Gefühl der Kontrollen der damaligen Zeit. Jede Klasse bekam eine Führung durch die Anlage, die vom Geldumtausch für Einreisende bis hin zur Passkontrolle alles beinhaltete. Anschließend besuchten sie das Grenzdenkmal Hötensleben, das mit seinem dreihundert Meter langen Stück der Grenzanlage stellvertretend für die damals konstante Grenzsicherung des ganzen Landes steht. (Eda Tüzün)

04. Juni, 8:00 Uhr: Die Schüler des 11. Jahrgangs stehen an der Schule und warten darauf, in die beiden Reisebusse steigen zu dürfen, in der Hoffnung, dass sowohl der Bus als auch die Gedenkstätte über eine Klimaanlage verfügen, da die Temperaturen schon um diese Uhrzeit sehr hoch sind. Nach einer guten Stunde passieren wir schließlich einige Steinmonumente, die sich später als Teil der ehemaligen Grenze zwischen der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik entpuppten. Vorerst ziehen aber die Gebäude der ehemaligen Grenzübergangsstelle der DDR – also der Gedenkstätte Marienborn – die Blicke auf sich. Erste Eindrücke variierten zwischen „Hässlicher Baustil!“ und „Wofür sind diese ganzen Häuser?“. Bei anderer Witterung wäre uns vermutlich schon hier aufgefallen, wie bedrückend ein solcher Ort sein kann. Unser erster Halt war das große gelbe Hauptgebäude. Hier traf jede Klasse auf einen Ehrenamtlichen, der sie im Laufe des Tages über das Gelände der Grenzanlage führen, dieses erklären und die eine oder andere Geschichte erzählen konnte. So bot sich uns die Chance, auf viele verschiedene Teile des Komplexes einen Blick zu werfen. Neben einer informativen Dauerausstellung und den gelben, etwas einschüchternden Gebäuden gehörten dazu auch Einblicke in das Innere der Kontrolltürme, nachgestellte Passkontrollen Einreisender aus der Bundesrepublik sowie die ausgefeilten Systeme der Stasi, um Fluchtversuche der DDR-Bürger in den Westen zu unterbinden. Die lebhaften und teilweise erschreckenden Fallbeispiele, die die Experten in ihre Erklärungen einspeisten, gaben vielen zum ersten Mal tatsächlich eine Ahnung vom Ausmaß eines solchen Grenzschutzes.

Nach mehr oder minder ausgiebigen Führungen über das Gelände und einer kleinen Mittagspause fuhren wir nach Hötensleben. Auch dieser Ort ist von der Geschichte der Deutschen Teilung geprägt, denn nun konnten wir auch einen Teil der Mauer im Zustand von 1989, dem Jahr des Mauerfalls, ansehen. Hier sahen wir intakte Zäune, ganze Landstriche mit Mauer und vor allem erkannten viele nun das Ausmaß und die Ausrichtung der Sicherheitsanlagen. Es gab uns ein mulmiges Gefühl, zu wissen, dass diese Anlage aus der Motivation existiert, die Bürger der DDR in ihrem Land zu halten, koste es, was es wolle. Noch mulmiger wurde das Gefühl wohl, als man sich vor Augen führte, dass noch die eigenen Eltern erfahren haben, wie es sich in einem halben Deutschland lebt.

Die Ehrenamtlichen erklärten uns nun, wie ein solcher Grenzabschnitt aufgebaut war. Es bot sich die Möglichkeit, Geschichte „anzufassen“. Wieder wurden Fälle von Flucht und auch von der Arbeit als Grenzsoldat der DDR erzählt. Es erschien uns beinahe unmöglich sich vorzustellen, an diesem Ort des Schreckens könnten zu Zeiten der Grenze Menschen gelacht haben, aber im Nachhinein ist mir klar geworden, dass diese Menschen keine andere Wahl hatten, als damit zu leben. Wir wissen ja auch, dass andere versucht haben, dem Wahnsinn zu entfliehen. Viele Waffen, Systeme und Aufbauten, die uns zuvor in der Ausstellung in Marienborn erklärt wurden, hatten hier Verwendung gefunden. Mit Erzählungen über den Mauerfall und die Erhaltung von Marienborn und Hötensleben endete schließlich die Führung und auch unser Aufenthalt an der ehemaligen Grenze. Um kurz nach vier Uhr am Nachmittag kamen wir wieder in Großburgwedel an.

Im Nachhinein war wohl jeder von uns etwas schlauer als vorher. Ich für meinen Teil habe von der Exkursion viel mitgenommen, denn niemand kann einem die Verhältnisse eines solchen Staates, die Wirkung einer solchen Grenze als scheinbar unüberwindbares Hindernis besser vermitteln als diejenigen, die es erlebt haben.

Abschließend war diese Exkursion eine prägende Reise, die uns verdeutlicht hat, dass wir in einer Zeit leben, die uns sowohl Freiheit als auch Sicherheit in einem Maß birgt, wie es bisher nicht jedem vergönnt war.