„Ich ringe noch immer um Fassung“

Gernot Preuß erzählt Schülerinnen und Schülern von seinen Erlebnissen in Stasi-Haft

Erstellt von Ler | |   Schuljahr 2014/15
Gernot Preuß berichtet von seinen Erfahrungen in der Klasse 10C

Gernot Preuß berichtet von seinen Erfahrungen in der Klasse 10C

Zwei Jahre saß Gernot Preuß in Stasi-Haft. Verurteilt wurde er, weil er 1962 – kurz nach dem Mauerbau – Menschen aus der DDR zur Flucht verhelfen wollte. Heute lebt und arbeitet der in Verden (Aller) geborene Rechtsanwalt in Großburgwedel. Herr Preuß kämpft aktiv für die öffentliche Anerkennung der Erlebnisse tausender Menschen in den Gefängnissen der Staatssicherheit. Nachdem seine Fluchthelfergruppe von einem Stasi-Mitarbeiter unterwandert wurde und aufflog, wurde der gebürtige Westdeutsche Preuß zunächst in Untersuchungshaft genommen. Die Einzelhaft, die nächtlichen Verhöre und die Eintönigkeit lassen Gernot Preuß bis heute um Fassung ringen. Nach der Urteilsverkündung trat er die zwei Jahre Haft in Potsdam an. Hier bestand der Tag aus langen Arbeitsschichten und sozialistischem Polit-Unterricht. Bewegend, aber auch mit Humor erzählt Herr Preuß der Klasse 10c des Gymnasiums Großburgwedel von diesen zwei Jahren und von den absurden Verhören und Bespitzelungsversuchen seitens der Stasi. Sie hätten ihn zunächst für einen westlichen Spion gehalten, ihn dann aber „umdrehen“ wollen, also zu einem ostdeutschen Spion machen wollen. Dies alles hat Gernot Preuß den über 800 Seiten Stasi-Akten über ihn selbst entnommen, die er seit den frühen 90er Jahren untersucht hat. Im Anschluss an seine Erzählungen bot sich für die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit Gernot Preuß ins Gespräch zu kommen. Fragen zum konkreten Fluchtplan, zu den Erlebnissen in Berlin während des Mauerbaus und Nachfragen zu den Haftbedingungen wurden von Herrn Preuß abermals sehr anschaulich beantwortet. Für die Schülerinnen und Schüler der 10c wurde Geschichte hier für kurze Zeit sehr lebendig.