Exkursion nach Oświęcim/ Auschwitz

Abiturienten auf Gedenkstättenfahrt in Polen

Erstellt von Jan-Hendrik Flis | |   Exkursionen & FahrtenSchuljahr 2013/14International
Rampe im KL Auschwitz Birkenau

Rampe im KL Auschwitz Birkenau

13 Abiturienten vertieften ihr geschichtliches Interesse mit einem Jahresauftakt der besonderen Art: Vom 23.-26.01 reisten die Schüler mit den Geschichtslehrern Herrn Heßbrüggen und Herrn Grüne nach Auschwitz.

Dass diese Exkursion von den Schülern selbst angeregt wurde, verlieh der Fahrt einen besonderen Charakter, welcher sich durch immenses Interesse an den Inhalten und intensiven Austausch jener in  umfangreichen Diskussionen auszeichnete.

Nach 12-stündiger Anfahrt begann der 2. Tag mit dem Besuch des Konzentrationslagers in Auschwitz, durch welches die Gruppe von einem Guide (welcher idealerweise selbst Geschichtslehrer war) geführt wurde. Dort folgte eine Begehung der Zellenblöcke, in welchen über die Herkunft, Reise- und Haftbedingungen der Inhaftierten informiert wurde. Darüber hinaus erfuhr man von den Anfängen und des Erproben der Verbrechen, die später an Millionen Menschen verübt wurden. Unter Bezugnahme auf die NS-Ideologie wurden die maßgeblichsten Motive der Nationalsozialisten und deren Grad des Verbrechens aufgezeigt. Jene Dimension eröffnete sich abschließend mit dem Besuch der Gaskammern und Krematorien, sowie der Möglichkeit, nach der Führung im späteren Tagesverlauf eine Geschichtsquelle erster Güte wahrnehmen zu können: Ein Zeitzeugengespräch.

Herr Krasnokucki wurde in das Ghetto in Łódź deportiert und konnte die danach folgende Haft im Ghetto Częstochowa sowie im KZ Buchenwald lediglich wegen seiner für die SS in dem KZ gefragten Elektronikfachkenntnisse und vieler glücklichen Zufälle überleben. Seine Geschichte beleuchtete diese Zeit aus einer für zuvor nie eröffnete Perspektive als Opfer des Nationalsozialismus. Dadurch ergaben sich besonders tiefschürfende Eindrücke, die emotionale Distanz zu der Geschichte verringerte sich nochmals und die Tragweite der Ereignisse wurde einem noch bewusster. Herr Krasnokucki betonte, dass er seine Aufgabe nicht nur mit dem Vermitteln aus der Vergangenheit, sondern zudem mit dem Lehren zum Verhindern einer Wiederholung der Ereignisse erfüllt sieht gemäß einem in der später besuchten jüdischen Ausstellung mahnenden Zitat:  „Wer nicht aus der Geschichte lernen will, muss gezwungen sein, sie nochmals zu erleben“.

Der zweite Tag begann früh und mit -15 Grad, welche durch zusätzlichen Wind zu gefühlten -21 Grad verschärft wurden. Unter diesen Bedingungen erfolgte eine Begehung des Vernichtungslagers Birkenau. Bereits schon die Größe der Fläche, auf welcher die Massenvernichtung stattfand, lag außerhalb der Vorstellungskraft. Mit dem Besichtigen verschiedener, noch gut erhaltenen Barracken, der vermeintlichen Waschräume, welche Gaskammern waren und der zugehörigen Krematorien durchlebte man das Leben der Häftlinge. Die Wetterbedingungen rahmten die Vorstellungen der Szenerie ein. Noch intensivere Möglichkeiten der Auseinandersetzung dieser Thematik ist andernorts nicht zu finden, nach diesem Besuch befand man sich auf einer anderen Ebene des Verstehens diesem Kapitel der Weltgeschichte.

Als letzter Programmpunkt dieser Exkursion wurde ein Workshop in der Chewra-Lomdei-Mishnajot- Synagoge wahrgenommen, wo fundamentale Bestandteile jüdischer Kultur und das Leben der jüdischen Bevölkerung in Auschwitz erarbeitet wurden. Der starke Kontrast zwischen der Vernichtung und der Auseinandersetzung der hauptsächlich Geschädigten wurde als besonders intensiv empfunden.

In einer abschließenden Gesprächsrunde in der Jugendbegegnungsstätte war man sich einig, angesichts dieser Inhalte unschätzbaren Wertes, dieses Angebot der Fahrt nicht bei etwas einmaligem zu belassen.